Rembrandt van Rijn, Selbstporträt mit Saskia, 1636, Radierung, Graphische Sammlung, Foto Ute Brunzel, MHK

kassel... verliebt in saskia

liebe und ehe in rembrandts zeit

Schloss Wilhelmshöhe • 12. April bis 11. August 2019


MHK_Collage.jpgAbb: Collage MHK, Bildnachweis siehe unten

Der Tod Rembrandts jährt sich zum 350. Mal. Unsterblich ist dagegen seine Liebe zu Saskia Uylenburgh. Die Ausstellung erzählt die Geschichte des Paares, die zugleich eine Geschichte von Liebe und Ehe im Goldenen Zeitalter der Niederlande ist.

• Wie lernte man sich kennen?
• Wie sah Dating im 17. Jahrhundert aus?
• Wie wurde geheiratet?
• Was machte den Ehealltag aus?
• Wie ging man mit den Schicksalsfällen des Lebens um?

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Fries Museum in Leeuwarden, der Hauptstadt der niederländischen Provinz Friesland und zugleich Geburtsort von Saskia. Besucher dürfen sich auf persönliche Dokumente, prächtige Hochzeitsgeschenke, Porträts ebenso wie Hochzeitsdarstellungen, und vor allem auf Gemälde, Zeichnungen und Radierungen aus der Hand Rembrandts freuen. Der unbestrittene Höhepunkt ist das Kasseler Porträt »Saskia Uylenburgh im Profil in reichem Kostüm«, das herausragende Meisterwerk der Gemäldegalerie Alte Meister.

Ausstellungstrailer


It must have been love... Die Geschichte von Rembrandt & Saskia


Rembrandt und Saskia kommen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, aber sie haben eines gemeinsam: gute Zukunftsaussichten. Saskia erbt reich und Rembrandt ist der aufsteigende Stern am Amsterdamer Künstlerhimmel – die High Society der Stadt kommt zu ihm, um sich porträtieren zu lassen, und seine stolzen Selbstporträts sind ein Verkaufsschlager. Ohne wirtschaftliche Not und mit guten Aussichten können sich beide relativ frei nach einem Partner umsehen und der Liebe eine Chance geben.

Dating im 17. Jahrhundert

Saskia und Rembrandt lernen einander über Verwandte kennen – eine typische Möglichkeit, wie Männer und Frauen im Goldenen Zeitalter zueinander finden. Tanzabende bei befreundeten Familien und Hochzeiten sind beliebte Kontaktbörsen für junge Menschen, und kleine Geschenke und Einträge in Freundschaftsalben drücken Zuneigung für einander aus. Nichts geht aber ohne die Zustimmung der Familie, die peinlich genau beobachtet, ob die Verbindung eine gute Partie verspricht.

Ja, ich will! - Die Hochzeit

Nicht anders als heute gehört auch für Rembrandt und Saskia die Hochzeit zu den Höhepunkten ihres Lebens. Wer es sich leisten kann, feiert ein rauschendes Fest mit vielen Gästen, serviert köstliche Speisen, bestellt Musikanten und gibt Festreden in Auftrag. Kostbare Stoffe und Accessoires schmücken die Braut, und Hochzeitsgeschenke aus Gold oder Silber werden mit Liebes- und Ehemotiven verziert. Zum Andenken nehmen die Gäste Hochzeitsmedaillen mit nach Hause.

In guten wie in schlechten Tagen – Das Eheleben

Viele Kunstwerke aus Rembrandts Hand zeigen, wie sehr er das Eheleben mit Saskia als künstlerische Inspirationsquelle nutzt. Die ehelichen Pflichten sind für beide klar: Sie müssen einander treu bleiben, einen gemeinsamen Haushalt führen, klug wirtschaften, Kinder zeugen und für sie sorgen. Wenn dies auch in Liebe und Eintracht miteinander geschieht, gilt eine Ehe als perfekt. Für alle Fälle ist es aber selbstverständlich, sich durch einen Ehevertrag abzusichern.

Seid fruchtbar und mehret euch! Kinder

Kinder großzuziehen ist im Goldenen Zeitalter nicht leicht: Die Kindersterblichkeit ist hoch und von den vier Kindern Rembrandts und Saskias überlebt nur der Sohn Titus. Kindheit in unserem heutigen Sinn gibt es zu dieser Zeit nicht – Kinder sollen in die Rollen der Eltern hineinwachsen und die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft der Familie garantieren. So werden Kinder wie kleine Erwachsene porträtiert.

…bis dass der Tod euch scheidet!

Der Tod ist zu Rembrandts Zeit allgegenwärtig – Krankheit, Seuchen und Unfälle lauern überall. Häufig heiratet ein Ehepartner erneut und so setzt jeder möglichst früh ein Testament auf. Als Saskia 1642 stirbt, übernimmt Rembrandt die Vormundschaft für Titus, und hält sich an Saskias Wunsch, nie wieder zu heiraten. So flüchtig das irdische Leben im Goldenen Zeitalter sein kann, das Andenken an die Verstorbenen wird selbstverständlich bewahrt und bleibt in Gemälden, Gedichten und Büchern lebendig.

In ewigem Gedenken – Saskias berühmtestes Porträt

Das Porträt von Saskia van Uylenburgh im Profil im reichen Kostüm hat Rembrandt schon zu ihren Lebzeiten begonnen. Nach ihrem frühen Tod überarbeitet er es erneut und macht es zu einem Sinnbild ehelicher Treue und ewigen Angedenkens: Saskia in einer Vision aus Ruhm und Reichtum, wie sie in alle Ewigkeit erinnert werden soll. In Rembrandts Werkstatt greifen Schüler die Darstellung auf und nutzen sie für neue Kompositionen. Erst als Rembrandt Geldprobleme hat, verkauft er das Gemälde. 1750 wird es für Kassel erworben und ist seitdem einer der größten Schätze der Gemäldegalerie.

300 Jahre verliebt in Saskia

Rembrandts Wunsch nach Erinnerung ist aufgegangen – seit mehr als drei Jahrhunderten bewundern Menschen das Porträt Saskias. Ging zeitweise das Wissen verloren, wer hier dargestellt ist, so waren sich doch die Betrachter aller Zeiten einig, hier ein Werk von außerordentlicher Schönheit und zeitloser Eleganz vor sich zu haben. In keiner Rembrandtbiographie darf dieses Porträt fehlen, und auch auf Postkarten, Briefmarken und Souvenirs findet sich Saskias Bildnis wieder.


 
 

 


Bildnachweis Collage: Rembrandt van Rijn, Saskia Uylenburgh im Profil in reichem Kostüm, um 1634–1642 / Rembrandt van Rijn, Selbstbildnis, 1632, Burrell Collection, Glasgow, Scotland, Geschenk von Sir William und Lady Burrell an die Stadt Glasgow / © CSG CIC Glasgow Museums Collection / Bridgeman Images / 3. Zweiteiliger Trauring, ca. 1580–1700 und Hochzeitsherz mit Kette, 1699, Fries Museum, Leeuwarden