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groß gedacht! groß gemacht?

landgraf carl in hessen und europa

Einblick in die Ausstellung SeiteHerman Hendrik de Quitter
Porträt von Landgraf Carl von Hessen-Kassel, Kulturstiftung des Hauses Hessen, Museum Schloss Fasanerie

Einblick in die Ausstellung

Hier erhalten Sie einen Einblick in die Teilbereiche der Landesausstellung »Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa«, die am 16. März im Fridericianum in Kassel startet.

Die Ausstellung fragt nach den Maßnahmen, die Carl in seiner sehr langen Regierungszeit durchführte: Seine Bau-, Forschungs- und Kulturprojekte in seiner Residenzstadt, seine gezielte Heiratspolitik für seine Kinder in große Adelsfamilien Europas, seine Wirtschaftsförderung durch die Anwerbung hugenottischer Handwerker oder die Vermietung des von ihm eingerichteten stehenden Heeres.

Welche seiner hochfliegenden Ideen und Projekte konnte er realisieren, welche kamen nicht über den Planungsstand hinaus?

 

Carl ist Kassel.

In über 50 Jahren Regierungszeit gelang es Landgraf Carl, seine Landgrafschaft wirtschaftlich neu aufzubauen und seine wachsende Familie mit mehreren einflussreichen Herrscherhäusern zu verheiraten. Er erwarb sich den Ruf eines gelehrten Herrschers und prägte Kassel und Hessen bis heute durch seine ambitionierten Bauprojekte.

Adel verpflichtet!

Landgraf Carl heiratete seine Cousine, Maria Amalie von Kurland, die wie er der bedeutenden Linie der brandenburgischen Kurfürsten entstammte. Auch bei ihren 17 Kindern standen die Aussichten auf Eheschließungen mit höhergestellten Herrscherhäusern im Vordergrund. Den größten dynastischen Erfolg stellte die Krönung des Sohnes Friedrich zum König in Schweden dar.

Ein Heer für alle Fälle!

Als Teil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation nahmen Soldaten aus Hessen-Kassel an zahlreichen Kriegen zwischen den europäischen Großmächten und gegen das Osmanische Reich teil. Landgraf Carl vermietete sein großes stehendes Heer gegen Subsidienzahlungen an verschiedene Herrscher in ganz Europa, und erschloss sich dadurch eine Einnahmequelle.

Land. Macht. Geld.

Durch viele Verordnungen und Fördermaßnahmen versuchte Landgraf Carl, die Wirtschaftsleistung der Landgrafschaft zu steigern. Der Zuzug von Hugenotten aus Frankreich spielte dabei eine Rolle, da sie viele verschiedene Handwerke ausübten, aber auch die großen Forst- und Bergwerksbesitzungen waren gute Einnahmequellen für Carl. Nicht erfolgreich war hingegen der Plan, einen großen Kanal von Karlshafen nach Kassel zu bauen.

Mensch Carl.

Im Verständnis des Barock gab es keine Trennung zwischen dem Amt des Herrschers und der Privatperson – sämtliches Tun und Handeln unterlag den Regeln der Repräsentation. Die persönlichen Interessen Landgraf Carls können nur anhand der Wahl seiner Inszenierungsmedien erahnt werden. Aus den Briefen an seine Gemahlin geht zudem eine echte Zuneigung hervor, die über eine reine Zweckehe weit hinausgeht.

Masse ist Klasse!

Kunst war eines der wichtigsten Repräsentationsmittel des Barock und auch Landgraf Carl bewies seinen Kunstsinn, indem er begabte Künstler an seinen Hof holte und eine umfangreiche Kunstsammlung aufbaute. Darin fanden sich Werke der Malerei und Steinschneidekunst genauso wie Medaillen und Skulpturen. Bezeichnend für Carls Sammlung war auch das Interesse an innovativen Techniken, wie etwa Strohbildern oder Velours-Streuarbeiten.

Reisen bildet.

1699 bis 1700 unternahm Landgraf Carl unter falschem Namen und mit kleinem Hofstaat eine Rundreise durch Italien. Er besichtigte Kirchen, Museen, Gärten, Villen und Handwerkstätten. Die Eindrücke inspirierten ihn sowohl in seinen Plänen für die Gestaltung des Bergparks, wie auch zu Einkäufen für seine Kunstsammlungen, in die Gemmen, Bilder und optische Instrumente aus Italien gleichermaßen Eingang fanden.

Der hat was auf dem (Winter-)Kasten!

Landgraf Carl prägte das Erscheinungsbild der Stadt Kassel nachhaltig – viele seiner Bauprojekte sind bis heute wichtige Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören die Anlage der Oberneustadt mit der Karlskirche, die Karlsaue mit dem Orangerieschloss, aber auch die Wasserkunstanlage auf dem Carlsberg (heute Bergpark Wilhelmshöhe). Als bedeutendes Kunst- und Gartendenkmal des Barock sind die Kaskaden heute auch als Weltkulturerbe anerkannt.

Wissenschaft ist Chefsache!

Die Sammlung Landgraf Carls erreichte kurz vor 1700 eine Größe, die ein eigenes Haus für sie rechtfertigte. Daher wurde ab 1696 das Ottoneum zum Kunsthaus umgebaut. Naturobjekte, Kunstobjekte und Instrumente der Naturforschung wurden hier aufbewahrt. Außerdem gab es eine Bibliothek und es wurde eine höhere Schule mit wissenschaftlichem Fokus eingerichtet, das Collegium Carolinum.